DIAGNOSE

Ich habe einen Knoten an meiner Brust ertastet ­– was kann ich jetzt tun?

Zunächst einmal: keine Panik. Verhärtungen in der Brust sind häufig gutartig. Obwohl 3 von 4 Brustveränderungen gutartiger Natur sind, so gilt es bösartige Tumoren der Brust rasch und sicher zu erkennen, denn eine möglichst frühzeitige Entdeckung kann lebensrettend sein. Regelmäßige Selbstuntersuchungen und Kontrollen beim Facharzt, sowie die Teilnahme an Mammographie-Früherkennungsprogrammen sind daher besonders wichtig. Immerhin ist Brustkrebs die häufigste bösartige Erkrankung der Frau in der industrialisierten Welt, und in Europa erkrankt inzwischen jede 9. Frau im Laufe ihres Lebens daran. Falls Sie einen neu aufgetretenen Knoten ertasten, eine Hauteinziehung bemerken, oder eine Hautrötung erkennen, so wenden Sie sich am besten gleich an einen Brustspezialisten, um die nächsten Untersuchungsschritte zu besprechen. Somit können Sie rasch Sicherheit haben.

Wie wird getestet, ob es sich um Brustkrebs handelt?

In der Regel wird zunächst eine Mammographie durchgeführt, bei jüngeren Frauen häufig auch nur ein Ultraschall. Manchmal ist jedoch zur genaueren Abklärung eine Kernspintomographie notwendig. Bei Verdacht auf Brustkrebs wird in den meisten Fällen eine Gewebeentnahme zur Diagnosesicherung eingesetzt. Welche der Untersuchungsmethoden eingesetzt wird, entscheiden der Brustexperte und der Radiologe.

Wie lange dauert es, bis die Diagnose vorliegt?

Das Ergebnis einer Ultraschall- oder Mammographieuntersuchung erfahren Sie üblicherweise noch am selben Tag. Sollte eine Gewebeprobe notwendig werden, so kann diese oft in derselben Untersuchung durchgeführt werden. Den endgültigen feingeweblichen („histologischen“) Befund erhalten Sie dann üblicherweise 1-2 Tage nach der Gewebeentnahme.

FAMILIÄRER BRUST- UND EIERSTOCKKREBS

Ist Brustkrebs vererbbar?

Eine von 400 Personen trägt eine vererbbare Genveränderung ("Genmutation") im BRCA1 oder im BRCA2 Gen. Diese Veränderungen führen zu einem besonders hohen Risiko, im Laufe des Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Und leider erkranken Betroffene häufig im jugendlichen Alter. Meist sind in einem solchen Fall auch andere Familienmitglieder von Krebserkrankungen betroffen. Man spricht dann vom "familiären Brust- und Eierstockkrebssyndrom", welches häufig den Weg zu einer BRCA1 und BRCA2 Genuntersuchung weist. Durch die Genuntersuchung kann das persönliche Brust- und Eierstockkrebsrisiko bestimmt werden, und Betroffene können sich durch spezielle Früherkennungsprogramme oder durch eine Entfernung der gefährdeten Organe wirksam schützen. Der Gentest kann aber auch feststellen, ob das hohe Erkrankungsrisiko an die Kinder weitergegeben werden kann.

Kann man das Risiko für erblichen Brust- oder Eierstockkrebs bestimmen?

Eine genaue Erhebung der Familiengeschichte lässt häufig bereits ein familiär erhöhtes Krebsrisiko vermuten. Insbesondere dann, wenn in einer Familie mehrere Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs in jungen Jahren aufgetreten sind, so liegt möglicherweise ein vererbbares Krebssyndrom vor. Ein einfacher Bluttest kann dann Auskunft darüber geben, ob eine genetische Veränderung (‚Mutation‘) in einem der Brustkrebsgene vorliegt. Die Blutabnahme kann sowohl bei bereits erkrankten, oder – wenn medizinisch sinnvoll – auch bei gesunden Personen durchgeführt werden. Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Die Entwicklung von neuen, bei Vorliegen einer BRCA Mutation besonders wirksamen, Medikamenten, hat inzwischen dazu geführt, dass Frauen mit Eierstockkrebs sowie Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs ("Triple-negativem Brustkrebs"), und allen Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Brustkrebs in jedem Fall ein Gentest angeboten werden soll, da das Testergebnis weitreichende Konsequenzen für die Behandlung haben kann.

Was bedeutet ein „positiver Gentest“?

Das Ergebnis des BRCA1 und BRCA2 Gentests eröffnet Ihnen die Möglichkeit, bewusst mit Ihrem persönlichen Krebsrisiko umzugehen: Die meisten Betroffenen entscheiden sich für die Teilnahme an einem speziellen Krebsfrüherkennungsprogramm, welches jährlich durchgeführt wird. Damit gelingt es insbesondere Brustkrebs früh zu entdecken. Noch mehr Sicherheit hat man durch die vorbeugende Entfernung von Drüsengewebe. Dadurch wird bereits die Entstehung von Brustkrebs wirksam verhindert. Immer mehr Frauen lassen sich inzwischen auch nach abgeschlossenem Kinderwunsch die Eierstöcke entfernen um dem Eierstockkrebs wirksam vorzubeugen. Die vorbeugende Entfernung von Brust- oder Eierstockgewebe ist eine höchst persönliche Entscheidung, und die Für und Wider eines solchen Eingriffes sollten gründlich gegeneinander abgewogen werden. Familienmitglieder, die die Genveränderung nicht in sich tragen, können hingegen aufatmen: Sie müssen kein erhöhtes Krebsrisiko fürchten, und können die Genveränderungen auch nicht an ihre Kinder weitergeben.

Brustkrebsbehandlung

Welche Möglichkeiten gibt es grundsätzlich, um Brustkrebst zu behandeln?

Die moderne Brustkrebstherapie stützt sich im Prinzip auf drei Säulen: die Operation, die nachfolgende Bestrahlung und die medikamentöse Behandlung. Die Operation ist auch weiterhin die zentrale Säule der Therapie und meist der erste Therapieschritt nach der Brustkrebsdiagnose. Beim Erhalt der Brust, der heute in der überwiegenden Zahl der Fälle möglich ist, folgt in der Regel die Strahlentherapie. Während Operation und Strahlentherapie die Tumorzellen an ihrem Entstehungsort bekämpfen, gelangen Krebsmedikamente über den Blutkreislauf in den ganzen Körper und erlauben dadurch auch die Behandlung von Tumorzellen die bereits in andere Organe des Körpers gewandert sind. Die medikamentöse Behandlung erfolgt gewöhnlich durch die Verabreichung einer Chemotherapie, durch antihormonelle Medikamente, oder seit kurzem auch durch die Gabe von Antikörpern. Ob eine Chemotherapie oder doch eher eine antihormonelle Behandlung in Frage kommt, hängt vom biologischen Verhalten des Tumors ab.

Wie hoch sind die Heilungschancen bei Brustkrebs?

Je früher die Krebserkrankung entdeckt wird, umso höher sind die Heilungschancen, denn je kleiner ein Tumor zum Zeitpunkt der Entdeckung ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bereits Metastasen im Körper gebildet haben. Aber auch das biologische Verhalten des Tumors sowie die Anzahl von eventuell bereits befallenen Achselhöhlenlymphknoten beeinflussen die Prognose maßgeblich. Glücklicherweise haben Früherkennungsprogramme und immer bessere Behandlungsmöglichkeiten die Brustkrebssterblichkeit in den letzten Jahren deutlich gesenkt. Heute leben fünf Jahre nach der Diagnose noch 88 von 100 Brustkrebs-Patientinnen, also 88 Prozent der erkrankten Frauen.

Ist eine Chemotherapie immer notwendig?

In den meisten Fällen von Brustkrebs kann auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Insbesondere dann, wenn es sich um ein sehr frühes Krankheitsstadium handelt, bzw. dann, wenn die tumorbiologischen Untersuchungen einen weniger aggressiven Krankheitsverlauf vermuten lassen. Heute werden jedoch zunehmend molekulare Untersuchungen aus dem Tumorgewebe durchgeführt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit anzeigen, ob es in den folgenden Jahren zum Auftreten von Tochtergeschwülsten kommen wird. Der rechtzeitige Einsatz einer Chemotherapie kann dann vielen dieser Frauen möglicherweise das Leben retten. Dies gilt gerade auch für Frauen, deren Tumoren nach herkömmlichen Methoden eigentlich als „weniger gefährlich“ eingestuft werden und denen somit eine eigentlich notwendige Therapie vorenthalten würde. Zeigen molekulare Untersuchungen jedoch ein niedriges Risiko an, so können betroffene Frauen aufatmen: Die Chancen, die nächsten 10 Jahre auch ohne eine Chemotherapie zu überleben, sind fast 100%. 

Gibt es Alternativen zur Chemotherapie?

Seit über 100 Jahren gilt die Hormonblockade durch Entfernung der Eierstöcke bei geschlechtsreifen Frauen als eine wirksame Therapie gegen Brustkrebs. Glücklicherweise stehen uns inzwischen sehr viel weniger radikale Methoden zur Verfügung, und die Hemmung der Geschlechtshormonproduktion kann auch durch die Einnahme von Tabletten oder durch das Verabreichen einer monatlichen Spritze erreicht werden. Eine Voraussetzung muss ein bösartiger Tumor allerdings mitbringen, um für eine antihormonelle Therapie in Frage zu kommen: Er muss in seinen Zellen Hormonrezeptoren aufweisen. Hormonrezeptoren binden die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron und regen Tumorzellen zur Vermehrung an. Wenn es gelingt, die Wirkung von Hormonrezeptoren auszuschalten, dann wird auch das Wachstum eines Krebses wirksam gehemmt.

In den letzten Jahren sind jedoch neue Medikamente – sogenannte tumorspezifische Antikörper – entwickelt worden, die Krebszellen bei Vorhandensein von bestimmten Eigenschaften auf der Tumorzelloberfläche gezielt angreifen können. Der Einsatz von Antikörpertherapien hat einen grundlegenden Wandel in der Therapie des Brustkrebses eingeleitet. Es ist schon heute absehbar, dass in naher Zukunft zielgerichtete Therapien die bisher üblichen festgelegten Therapieschemata grundlegend verändern werden. Neue Behandlungskonzepte, die der individuellen Situation einer Patientin und den Eigenschaften des Tumors besser entsprechen, werden die bislang verwendeten standardisierten Chemotherapien ersetzen. Damit wird die Brustkrebs-Therapie der Zukunft zwar aufwendiger und teurer, aber dafür auch deutlich nebenwirkungsärmer und wirksamer, als dies heute der Fall ist.

LEBENSSTIL

Kann der eigene Lebensstil ein Risikofaktor für Brustkrebserkrankungen sein?

Die große Mehrheit von Brustkrebspatientinnen erkrankt »spontan«: Bei ihnen liegt weder eine familiäre Häufung von Brustkrebs vor, noch kann man irgendeinen anderen Grund für die Erkrankung erkennen. Man geht heute davon aus, dass in diesen Fällen verschiedene Einflüsse gemeinsam an der Krebsentstehung beteiligt sind. Die genauen Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs sind jedoch noch weitgehend unbekannt. Es gibt allerdings durch Lebensstil beeinflussbare Risikofaktoren, die die Entstehung von Brustkrebs begünstigen können: regelmäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht, besonders nach dem Wechsel und geringe körperliche Aktivität spielen hier eine besonders große Rolle. Auch die Hormonersatztherapie (HRT) kann je nach Präparat und Einnahmedauer zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos führen. Junge Frauen, die Pille einnehmen, haben während und in den ersten Jahren nach der Pilleneinnahme ein leicht erhöhtes Risiko, allerdings kann die Einnahme der Pille auch das Risiko für andere Krebsformen sogar senken.

Wie sollte ich mich nach einer Brustkrebserkrankung ernähren?

Mit einer ausgewogenen Ernährung kann man Brustkrebs zwar nicht heilen, sie trägt jedoch wesentlich dazu bei, das Wohlbefinden zu stärken und zu verhindern, dass die Krankheit wiederkehrt. Daher ist eine abwechslungsreiche, fettarme Kost, die reich an Obst und Gemüse sowie an sekundären Pflanzenwirkstoffen ist, die bestmögliche Wahl. Da der Energiestoffwechsel des Körpers vom Brustkrebs im frühen Krebsstadium kaum beeinflusst wird, sollten Betroffene daher auf eine ausgewogene Balance zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch achten, denn Übergewicht erhöht das Risiko, dass die Krankheit erneut ausbricht. Wenig tierisches Fett, wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst und ein weitgehender Verzicht auf Alkohol schützennicht nur vor dem Wiederauftreten von Brustkrebs, sondern schützen auch vor Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Wichtig ist, auf sein Gewicht zu achten, denn gerade Frauen, die eine Antihormontherapie über mehrere Jahre einnehmen, leiden häufig an einer Gewichtszunahme. Dies ist um so wichtiger, da Studien an Brustkrebspatientinnen eindeutig einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Risiko des Wiederauftretens gezeigt haben.

BRUSTKREBSVORBEUGUNG

Sind häufige Mammographieuntersuchungen nicht schädlich?

Über den Wert der Brustkrebsfrüherkennung wird in der Presse oft kontrovers diskutiert. Leider sind viele der Bedenken, die gegen eine Mammographie vorgebracht werden, nicht richtig. Es ist inzwischen unbestritten, dass die regelmäßige Mammographie die Brustkrebssterblichkeit deutlich reduziert. Je früher ein bösartiger Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Überlebenschancen und desto geringer fällt auch der Eingriff aus. Heute eingesetzte Mammographiegeräte führen zu einer so geringen Strahlenbelastung, dass eine mögliche gesundheitliche Schädigung durch regelmäßige Mammographien vernachlässigbar ist. Allerdings gibt es bestimmte Situationen, bei denen andere Untersuchungsmethoden wie beispielsweise die Brust MRT Untersuchung sinnvoller sein können.

 

Wie kann das Risiko an Brustkrebs zu erkranken durch den persönlichen Lebensstil verringert werden?  

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie durch eine Veränderung des persönlichen Lebensstils das eigene Brustkrebsrisiko verringern können: regelmäßiger Sport und das Vermeiden von Alkohol sind dabei besonders wichtig. Auch das Anstreben des Normalgewichtes ist bei übergewichtigen Frauen außerordentlich wirkungsvoll, insbesondere dann, wenn die überschüssigen Pfunde nach dem Wechsel entstanden sind. Die Hormonersatztherapie (HRT) kann je nach Präparat und Einnahmedauer zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos führen. Das gilt auch für die orale Kontrazeption („Pille“): Während und in den ersten Jahren nach der Pilleneinnahme besteht ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko, danach ist das Risiko vergleichbar mit jenen Frauen, die nie die Pille genommen haben. Neuere Untersuchungen haben aber inzwischen auch zeigen können, dass die Pille vor Eierstockkrebs und vor Gebärmutterkrebs schützt. Und bei all den Risikoabschätzungen darf eines nicht vergessen werden: Die Pille wird zumeist ja angewendet, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

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